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SAME SAME BUT DIFFERENT



DEUTSCHLAND • 2010
99 MIN • FSK 6
DRAMA


REGIEDetlev Buck
DARSTELLERDavid Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Anatole Taubman, Mario Adorf, Charly Hübner, Michael Glawogger, Michael Ostrowski, Jan Niklas Berg, Olli Dittrich, Wanda Badwal, Jens Harzer, Ben Tan
WERTUNG5/10

KOMMENTAR

Die Globalisierung macht auch vor Liebesgeschichten nicht Halt. Weil das inzwischen aber nichts Neues mehr ist, müssen immer exotischere Orte und ausgefallenere Konflikte her. Bei dem deutschen Film Same Same But Different, welcher auf einer realen Liebesgeschichte basiert, steht die Liebe zwischen einem jungen Deutschen und einer noch jüngeren Kambodschanerin im Mittelpunkt, die obendrein HIV-positiv ist.

Auf seiner Reise nach Kambodscha trifft der junge Ben (David Kross) nicht nur auf schräge Aussteigertypen und kuriose Landsleute, sondern auch auf die jugendliche Prostituierte Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk), die anschaffen geht, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Die beiden verlieben sich ineinander—eine Beziehung, die auch dann noch hält, als Sreykeo Ben übers Internet eine schlimme Nachricht überbringen muss: sie hat AIDS. Ben lässt sich davon nicht abschrecken. Entgegen jeder Vernunft will er weiterhin zu Sreykeo halten, sie finanziell und mit Medikamenten unterstützen, sie lieben.

Die Verfilmung von Benjamin Prüfers gleichnamigen Buch Same Same But Different ist eine Mischung aus Aussteigerdrama, Liebesgeschichte und witzigen Reisememoiren. Da sind die kiffenden Freunde, die sich in der Exotik mit einer Gruppe Hippies einen faulen Lenz machen, da ist aber auch der Sextourismus seitens schmieriger Männer und das Schicksal junger einheimischer Frauen, die sich prostituieren müssen, um ihre Familien irgendwie über die Runden zu kriegen. Kambodscha ist das exotische Land in der Ferne, für Reisende ein Ort zum Ausspannen und Staunen. Kein Wunder, dass Ben ausgerechnet dieses Urlaubsziel gewählt hat, um vor seinem Einstieg ins Berufsleben noch einmal die Seele baumeln zu lassen. Kambodscha an sich scheint ihn zwar zu faszinieren (zumindest suggeriert uns das Schauspieler Kross als ständig staunender Bub), aber was die Kultur und die Menschen angeht, scheint es ihm ziemlich egal zu sein. Seine Begegnung mit Sreykeo ist eher eine Zufallsbekanntschaft in einer Diskothek, in der Rammstein aus den Boxen dröhnt, und der folgende One-Night-Stand entpuppt sich für Ben nicht gerade als kostengünstig. Klar, wer so unbedarft Urlaub macht, merkt natürlich nicht, dass er von einer Prostituierten verführt wurde. Das gibt Ben allerdings auch die Möglichkeit, Sreykeo als normales Mädchen kennenzulernen und sich in sie zu verlieben, ohne vom Zuschauer als Sextourist abgestempelt zu werden. Immerhin ist er unser gutherziger Held, der Sreykeo auch dann noch unterstützen will, als er von ihrer schlimmen Krankheit erfährt. Die Art, wie er um ihren Zustand besorgt ist, ist rührend, auch wenn man es Ben nicht ganz abnimmt, wenn er in plötzlich aufblühendem Tatendrang auf unkonventionelle Weise versucht, irgendwo in Kambodscha die begehrten AIDS-Medikamente zu bekommen. ABER…

Detlev Buck setzt auf realistische und nüchterne Regiearbeit und hakt das Geschehen ziemlich sachlich und wertneutral ab. Man wird das Gefühl nicht los, dass er Angst davor hatte, ansonsten einen mit Klischees und Vorurteilen überladenen Film voller Pathos und Melodramatik zu kreieren. Dadurch bleibt der Film lakonisch und so verschlossen wie die Kultur Kambodschas, mit der Ben zwar immer mehr in Kontakt gerät, welcher er aber seltsam desinteressiert gegenüberzustehen scheint. Kambodschas Einwohner setzen auf Familie und ganz andere Werte als wir Deutschen. Warum das so ist und ob dieses Wertesystem so viel schlechter oder besser als das unsere ist, wird nie aufgegriffen. Der Film ist neutral in seiner Wertung, zeigt die heruntergekommenen Behausungen in Kambodscha genauso kommentarlos wie die biedere Vorstadtsiedlung in Deutschland. Diese Gleich-Gültigkeit geht sogar so weit, dass selbst in Bens deutschem Bekannten- und Familienkreis niemand Einwände dagegen hat, sich mit einer kambodschanischen, AIDS-kranken Prostituierten einzulassen. Im Gegenteil: die Leute ermutigen Ben ja geradezu, wieder nach Kambodscha zu fahren und um ihr Wohl und die Liebe zu kämpfen. Das ist furchtbar unrealistisch, aber so umschifft man wieder gekonnt die Klippen der Vorurteile und deutscher Engstirnigkeit.

Insgesamt ist die fehlende Polarisierung und Kritik aber löblich, nur leider färbt die Sachlichkeit auch auf die Figuren ab—nicht nur bei einer Liebesgeschichte ein fataler Fehler. Da könnte sich Ben zwar an Sreykeos Krankheit angesteckt haben, aber mehr als das Radeln zum AIDS-Test-Termin und einem anschließenden Halbsatz darüber, dass er sich nicht angesteckt hat, ist an Dramatik nicht drin. Man will sich ja schließlich mehr auf die Liebesgeschichte konzentrieren. Nur sieht es da ähnlich emotionslos aus. Sreykeos Familie ist zwar gewillt, Ben in ihrem Nest aufzunehmen, aber die Kluft ist nicht nur wegen der verschiedenen Sprachen groß. Als Sreykeos Familie vom zukünftigen Schwiegersohn verlangt, ein Haus zu bauen, ist das ein Grund für plakativen Streit anstatt für Toleranz und Auseinandersetzung mit dem kulturellen Unterschied. Doch nicht nur das: durch die fehlende Tiefe der Charaktere und die sachliche Darstellung der Geschehnisse fehlt es auch der Liebesgeschichte zwischen Ben und Sreykeo an Glaubwürdigkeit oder zumindest Überzeugungskraft. Sreykeo, die auf die Einnahmen als Prostituierte angewiesen ist, bleibt das verschlossene asiatische Mädel, das bis zuletzt eventuell nur an Bens Geld interessiert sein könnte. Vielleicht ist das nicht einmal beabsichtigt, aber die schlechte Ausarbeitung der Romanze und die gängigen Klischees, die einem in Echt so in die Birne gehämmert werden, lassen leider Gottes immer wieder daran denken. Und Ben ist der blauäugige Junggeselle, der sich aus nicht näher definierten Gründen von Sreykeo angezogen fühlt, sie aber eventuell nur aus Schuldgefühlen heraus unterstützen möchte. Es ist zwar niedlich, wenn Ben und Sreykeo im Luxushotel unter der Bettdecke kuscheln und Ben ihr im gebrochenen Englisch (der Hauptsprache des Films) erklärt, was ein Verlobter ist, aber ein schaler Beigeschmack bleibt. Was den Spaß doch erheblich trübt.

Für einen Film aus Deutschland ist Same Same But Different trotzdem noch ganz gut gemacht. Das liegt aber vermutlich daran, dass der Großteil im Ausland spielt und (schlechtes) Englisch die Sprache der Wahl ist. Wer deutsche Filme allerdings überhaupt nicht ausstehen kann, dürfte auch mit Same Same But Different das ein oder andere Problem haben (das vor allem für die Szenen in Deutschland gilt, wenn die Schauspieler mit ihrem gestelzten Gehabe die üblichen Dialoge führen und die Frauen verrückt und mega-liberal ihre Zahnbürste mit Ben teilen möchten). Die Liebesgeschichte zwischen Ben und Sreykeo ist im Ansatz zwar nett gemeint, kann sich durch die nüchterne Darstellungsweise allerdings nicht richtig entfalten. Das Fazit: Gut gemeint, aber irgendwie hat man das Gefühl, dass das Buch besser ist—selbst wenn man es noch gar nicht gelesen hat.

© Shaoshi, 13. Februar 2011

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