LittleBigAsia.com - Revenge Of The Warrior - Tom Yum Goong (2005)
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REVENGE OF THE WARRIOR - TOM YUM GOONG
Tom Yum Goong



THAILAND • 2005
87 MIN • FSK 16
ACTION


REGIEPrachya Pinkaew
DREHBUCHPrachya Pinkaew
DARSTELLERTony Jaa, Petchtai Wongkamlao, Bongkoj Khongmalai, Xing Jing, Nathan Jones, Johnny Nguyen, Lateef Crowder, Jon Foo, Damian de Montemas, David Asavanond, Sotorn Rungruaeng, Amonphan Gongtragan
WERTUNG4/10

KOMMENTAR

Tony Jaa gilt momentan ja als der neue leuchtende Stern am Kampfsporthimmel. Und weil der thailändische Kampfkünstler mit Ong Bak eine begeisterte Fangemeinde zusammenraffen konnte, ist logisch, dass man sein Talent—das sich auf beeindruckende Kämpfe und genau einen Gesichtsausdruck beschränkt—sofort weiter verheizen muss. Im Westen ist die Kunde von Tony Jaa auch längst angekommen. Was läge also näher, als sich weiter beim dortigen Publikum anzubiedern und den nächsten Film einfach gleich dort zu drehen, in Sydney nämlich (von dem man allerdings nicht viel zu sehen bekommt)?

Anfangen tut's aber trotzdem erst mal in Thailand. Die idyllische Dschungelromantik im Leben von Elefantenfreund Kham (Tony Jaa) wird jäh unterbrochen, als Wilderer dem Kitsch mit Elefantenentführung und Schusswaffengebrauch ein Ende setzen. Kham fackelt natürlich nicht lange und reist den Bösewichten flugs bis nach Sydney hinterher, um die heiligen Dickhäuter zu retten. So einfach gestaltet sich die Suche natürlich nicht, denn niemand will ihm auf seine ständig gebrüllte Frage »Wo sind meine Elefanten?« eine Antwort geben und allerhand kampffreudige Gegner lassen sowieso lieber die Fäuste sprechen. Außerdem hat eine machtgierige Triadenbraut die Elefanten eher zu dekorativen Zwecken in ihre Gewalt gebracht.

Warum man in all den Trubel eine Randgeschichte rund um die Chinesenmafia mit umfassendem Verbrechensportfolio und einen Mordanschlag auf hohe Tiere hineinwerfen muss, oder sich ein thailändischer Polizist mit Schaum hinter den Ohren durch Sydneys Straßen stümpern muss, ist ein Rätsel. Dachten sich wohl auch die deutschen Vertreiber und schnippelten die dünne Handlung (wie schon in einigen Jackie Chan-Filmen geschehen) auf ein sinnfreies Minimum zurück. Eine ausgeklügelte Story erwartet man bei einem reinrassigen Actionfilm sowieso nicht, aber wenigstens halbwegs rund sollte die Sache schon sein. Die Hälfte der Handlungsstränge ins Leere laufen zu lassen ist jedenfalls nicht die feine Art. Und das ist auch so ein grundlegendes Problem von Tom Yum Goong. Der Film schert sich nämlich einen Dreck um alles außer Tony Jaa. Die Nebendarsteller füllen ihre Klischeerollen wie beschäftigtere Statisten aus, die Handlung hangelt sich quasi kommentarlos von einer Schlägerei zur nächsten und die Dialoge sind absolut hohl und nur da, weil man ja schlecht einen Stummfilm drehen kann. Das könnte man bei Tony Jaas Rolle aber fast meinen. Außer seinem trotzigen »Wo sind meine Elefanten?« scheint er nämlich nicht viele andere Floskeln in seinem Repertoire zu haben. Vermutlich Absicht, denn all die bösen Zungen da draußen lästern sich ja schon seit einer ganzen Weile Knoten über Tony Jaas fehlendes Schauspieltalent in selbige, weshalb man den Kritikern bei Tom Yum Goong nicht mehr Angriffsfläche bieten will als unbedingt nötig ist.

Als weitere Negativpunkte lassen sich folgende verbuchen: der primitive Soundtrack, der stark darauf hindeutet, dass wir es bei Tom Yum Goong mit einem Riesenschund zu tun haben, und die wacklige, pseudocoole Kamera (gerne auch mit Weichzeichner-Vignettierung—wer kommt denn bitte auf so was?), die Tony Jaa auf seinen Prügelstreifzügen gern nachläuft wie in einem Computerspiel und dem Ganzen einen extrem künstlichen Touch verleiht. Künstlich wirken übrigens auch viele Kulissen. Nicht einmal Wohnungen und Treppenhäuser sind hier überzeugend ausgekleidet (Thema Wandgestaltung zum Beispiel). Zu guter Letzt wirken auch die CGI-Effekte künstlich und schlecht, was vor allem für die sinnlosen Rückblendesequenzen gilt.

Dass Tom Yum Goong ein so dermaßen niederes Niveau aufweisen würde, hätte man trotz allem ja nicht gedacht. Was ihn schließlich rettet, sind die Actionsequenzen, und die gibt es zuhauf—nach einem eher lahmen Auftakt im Grunde fast pausenlos. Tony Jaa zeigt perfekte Körperbeherrschung und ist dabei mindestens so agil und vielseitig wie Jackie Chan und so kompromisslos und brutal wie Bruce Lee. Spektakuläre Stunts in Zeitlupe und ohne die sichtbare Zuhilfenahme von Hilfsmitteln wie Seilen runden die Action mehr als zufriedenstellend ab. So gibt es dementsprechend größere Sequenzen, in denen vor allem Tony Jaas akrobatische Leistungen herausgekehrt werden, wie etwa die Szene, in der er in einem Lagerhaus von einer Bande Rollschuhrocker aufgemischt werden soll und er hauptsächlich durch Wandsprünge und flinke Bewegungen entkommt, nebenbei aber freilich noch die ganze Bande lehrt, wie sich Schmerz schreibt, aber auch kürzere, dafür umso härtere Mann-gegen-Mann-Kämpfe in allen möglichen Variationen. Mal geht es gegen muskelbepackte Hühnen, dann gegen ganze Horden von Gangstern, die am Ende auf dem Boden in ihre Embryonalhaltung zurückfinden, mal kämpft man mit Elefantenknochen (eher dämlich), mal mit Peitsche, Glocken, konventionelleren Waffen und mal mitohne alles. Dass man es bei der Flut an Actionsequenzen geschafft hat, Abwechslungsreichtum zu beweisen, ist bei all dem lächerlichen Rest mehr als verwunderlich, dafür umso erfreulicher für alle Actionfans. An der Action gibt es nämlich wirklich nichts zu meckern. Tony Jaa ist ein unglaublich talentierter Kämpfer, der hier alle möglichen Kampfstile an den Mann bringt, um einem jedem Gegner die Knochen zu brechen. Das entschädigt fast schon wieder für den Trash außenrum.

Tony Jaa- und Action-Fans werden Tom Yum Goong wohl als Offenbarung ansehen—zumindest was die Action anbelangt. Die ist nämlich top und tadellos. Alles andere kann man jedoch in der Pfeife rauchen. Leider fehlt Tony Jaa etwas die Ausstrahlung eines Bruce Lees, der stets mit seinem Charisma über die Längen in seinen Filmen hinwegtäuschen konnte. Deshalb kommt Tom Yum Goong im Endeffekt doch eher schlecht weg. Wer hirnlose Action liebt, kommt hier auf seine Kosten. Der Rest sollte Tom Yum Goong besser meiden. Vorschlag an die Macher: Das nächste Mal nicht nur auf die Action konzentrieren, sondern darauf achten, dass auch der Rest die spektakulären Szenen ins rechte Licht rücken kann.

© Shaoshi, 12. Juli 2010

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