LittleBigAsia.com - Mulan (1998)
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MULAN



USA • 1998
84 MIN • FSK 0
ZEICHENTRICKABENTEUER


REGIETony Bancroft, Barry Cook
WERTUNG4/10

KOMMENTAR

Hua Mulan, das ist der Name einer Frau, die einem alten, chinesischen Volksgedicht nach echt gelebt hat und anstelle ihres Vaters in einen Krieg gegen einfallende Barbaren gezogen ist, der eigentlich Männern vorbehalten war. Da scheint es schon ein wenig verwunderlich, dass man bei Disney ausgerechnet aus einem solchen Kriegsstoff einen kindgerechten Zeichentrickfilm ersann. Freilich hat der mit der historischen Vorlage außer der Grundhandlung wenig gemein.

Auch in der Disney-Version geht es um die junge Mulan, die sich anstelle ihres gebrechlichen alten Vaters als Mann verkleidet zum Soldatendienst meldet. Allerdings nicht nur, um ihren Vater zu schützen, sondern auch, um allen etwas zu beweisen, da sie in ihrem Heimatdorf nicht erst seit verpatzter Zwangsverlobung als tollpatschiger Nichtsnutz gilt. Als ihre Eltern erfahren, dass Mulan heimlich in den Krieg gezogen ist, soll der dummschwätzende Drache Mushu (mehr so eine Art Loser-Eidechse mit Synchronisationsstimme von Otto, die hier richtig gut passt) das mutige Mädchen von ihrem waghalsigen Ausflug zurückbringen, denn für eine Frau im Heer—sollte Mulans Schwindel denn auffliegen—steht die Todesstrafe. Das hält Mulan aber nicht von ihrem Vorhaben ab, nicht zuletzt auch deshalb nicht, weil ihr der befehlshabende General so gut gefällt.

In den ca. 84 Minuten Laufzeit fährt man bei Disney die üblichen Geschütze auf—penetranter Musicalgesang, der den Film unnötig streckt; vermenschlichte Tiere und kindgerechtes Schwarz-Weiß-Denken, bei dem die Guten schön und die hässlichen Bösen grauhäutig und gelbäugig sind. Da man sich ja im alten China befindet, werden die zuschauenden Kinder Disney-gemäß mit Hilfe von haufenweise gängigen Klischees und Vorurteilen wenig sensibel an diese so exotisch erscheinende Kultur herangeführt. Nicht zuletzt gilt Disneys Mulan auch noch als Ode an die Emanzipation, denn unsere Heldin muss zeigen, dass sie auch in einer Männerwelt bestehen kann. So meistert sie nach anfänglichen Schwierigkeiten nicht nur die Prüfungen im Soldatenlager, sondern rettet zuletzt auch noch den Kaiser höchstpersönlich, ehe sie zum kitschigen Happy End ins traute Heim zurückkehrt.

Immerhin ist Mulan noch recht herkömmlich produziert, d.h. Zeichentrickfilm statt selbstverliebter Computeranimation. Dennoch sind die Zeichnungen nicht das, was die Disney-Werke einst ausgemacht hat. Bei Mulan hat man relativ grob gearbeitet. Zu wenige Details und künstliche Bewegungen machen aus dem Disney-Film ein mittelmäßiges Zeichentrickvergnügen, das nicht nur durch seine Bilder sondern auch den bewährten, biederen Erzählfluss lahmt.

Nach chinesischen Verfilmungen aus den 20er und 30er Jahren sowie einer Shaw-Brothers-Produktion und einer Inszenierung als Peking-Oper wurde der Stoff der Mulan eben erst in China mit Vicki Zhao in der Hauptrolle wieder einmal neu verfilmt, wobei sich die Chinesen vermutlich auch im neuen Film stärker an die historische Vorlage halten als die Amerikaner, die ihre üblichen »man kann alles schaffen, wenn man nur will«-Disney-Storys wohl mal in ein etwas exotischeres Setting verlegen wollten, jedoch ohne von ihrer traditionellen Erzählweise abzuweichen. Was bleibt, ist ein typischer Ami-Film, der zufällig in China spielt und das Thema vom tapferen Mädel, das in den Krieg zieht, kindgerecht und dementsprechend harmlos aufbereitet. Humoristische Zugaben wie der ständig plappernde Drache Mushu halten die Kids bei der Stange, passen aber eigentlich nicht zur Handlung und vom Stil natürlich überhaupt nicht in den Film. Die Zeichnungen sind solide aber kaum so liebenswert wie die alten Disney-Werke. So wird Mulan stark ins uninteressante Mittelfeld gedrängt und schnell wieder vergessen. Der Video-Nachklapp Mulan 2 wäre da erst recht nicht nötig gewesen.

© Shaoshi, 29. Dezember 2009

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