PROTÉGÉ Moon To
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HONGKONG • 2007 109 MIN • FSK 16 THRILLER
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KOMMENTAR | |
Dass Drogen schlecht sind, ist ja nun wirklich nicht die neueste Erkenntnis. Trotzdem findet man im Hongkong-Kino nicht allzu viele Werke, die den Konsum
harter Drogen so explizit darstellen und verurteilen wie Protégé. Das macht den Film massentauglich, weil bis zu einem gewissen Grad amerikanisiert,
zumal man hier denselben abstoßenden Drogensumpf vorfindet wie in vielen vergleichbaren US-Filmen.
Undercover-Cop Nick (Daniel Wu) hat nach sieben Jahren das Vertrauen vom todkranken Drogenboss Quin (Andy Lau) so weit erschlichen, dass er der Auserkorene
ist, der an Quins Platz treten soll. Zu diesem Zweck wird Nick von Quin nach und nach in den logistischen Teil des Drogenhandels eingeführt. Dann aber
bandelt Nick mit seiner drogensüchtigen Nachbarin Fan (Zhang Jing Chu) an, die dem Heroin bereits so sehr verfallen ist, dass sie sich kaum noch um ihr
niedliches Töchterlein kümmern kann. Zwar will sie clean werden, doch dank ihres ebenfalls süchtigen Ex-Manns (Louis Koo), der ihr immer wieder neuen
Stoff zusteckt, ist das nahezu unmöglich. Nick, der sich bei seinem Job eigentlich nicht allzu viel Mitgefühl leisten kann, will Fan helfen und gerät immer
mehr zwischen die Fronten.
Durch die verschiedenen Figuren erhält man in Protégé unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Drogen. Andy Lau mit grauem Haar als Drogenbeschaffer
sieht sich als Geschäftsmann. Er verdient nicht schlecht, hat selbst Frau (Anita Yuen) und Kinder und kann es nicht sehen, wenn seine Tochter raucht. Seine Sichtweise
zum Thema Drogen ist sachlich, da er seiner Meinung nach nur die Nachfrage befriedigt und sich keiner Schuld bewusst ist. Ihm gegenüber steht die
drogensüchtige Fan, die im Morast aus körperlichem Verlangen, geistigem Verfall und Selbsthass immer mehr unterzugehen droht. Zuletzt ist da
Undercover-Cop Nick, der einen Dealerring zerschlagen will und deshalb selbst jahrelang so glaubwürdig im Milieu herummodert, dass auch dem Zuschauer
bisweilen nicht mehr ganz klar ist, auf welcher Seite des Gesetzes er steht. Der Grat zwischen Verführung und Abstoßung ist schmal und da uns in
Protégé schon zu Beginn das Ende angedeutet wird, ahnt man, dass hier jede Person in düsterer Atmosphäre ihrem Verderben entgegentaumelt.
Regisseur Derek Yee hat schon mit One Night In Mongkok bewiesen, dass er es vortrefflich
versteht, eindringliche und spannende Geschichten zu erzählen. Wie schon in One Night In Mongkok
hält Yee zwar an altbewährten Elementen fest (im Falle von Protégé also Dealer, Süchtige, Undercover-Cop), aber zeichnet eine
straffe Spannungskurve und interessante Figuren, von denen man zwar nicht allzu viel erfährt, die aber auch nicht blass sind. Immer wieder wirft Yee seine
Figuren in düstere, ja fast schon abstoßende Situationen und spart auch nicht mit exzessiver Gewalt, etwa wenn die Jungs vom Drogendezernat gerade ein
Drogenlabor aushebeln wollen und von den Dealern mit einem Hammer überrascht werden.
Protégé ist ein ziemlich düsterer Film im abstoßenden Drogenmilieu geworden. Derek Yee spart nicht mit moralischem Zeigefingergefuchtel und dennoch
ist Protégé für all diejenigen interessant, die sich für diese Art von Drogenfilmen erwärmen können. Handwerklich und atmosphärisch top erzählt
Protégé zwar nicht gerade Neues, dafür aber umso intensiver. Zartbesaitete oder Zuschauer, die sich lieber in einer heilen Welt wähnen, sollten von
Protégé vielleicht lieber die Finger lassen, da mit den Figuren nicht gerade zimperlich umgegangen wird und auch keiner uneingeschränkte Sympathien
auf seiner Seite hat. Insgesamt ist Protégé ein überdurchschnittlicher Drogenthriller mit Tiefe, Härte und nicht zuletzt einem sehenswerten Cast.
© Shaoshi, 28. Dezember 2009 |
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