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GODZILLA - FINAL WARS
GODZILLA - FINAL WARS



JAPAN • 2004
120 MIN • FSK 16
MONSTERFILM


REGIERyuhei Kitamura
DARSTELLERMasahiro Matsuoka, Rei Kikukawa, Akira Takarada, Kane Kosugi, Kazuki Kitamura, Maki Mizuno, Masami Nagasawa, Chihiro Ôtsuka, Don Frye, Kenji Sahara, Delcea Mihaela Gabriela, Kumi Mizuno
WERTUNG5/10

KOMMENTAR

50 Jahre Godzilla feierte man 2004 mit dem Streifen Godzilla – Final Wars und damit auch den traurigen Abschluss der gigantischen Monsterfilm-Saga, die nunmehr weit mehr als zwanzig Filme umspannt, von denen leider nicht alle in Deutschland erschienen sind. Vielversprechend klang’s im Vorfeld für die Fans, denn der Ausblick, dass der Film die wichtigsten Monster der letzten fünfzig Jahre nun noch einmal auf der Leinwand vereint, lässt das Herz eines jeden wahren Monsterfans höher schlagen. Azumi-Regisseur Ryuhei Kitamura wurde die Ehre zuteil, das letzte Kapitel der Monstersaga nicht nur zu schreiben, sondern auch zu drehen und nebenbei auch gleich noch darin mitzuspielen. Man mache sich jedoch Kitamuras Höhenflüge in Sachen größer, schneller, lauter, cooler deutlich und schon bekommt die ganze Chose einen faden Beigeschmack. Godzilla ist und war nie cool und von modernen Effekten war nur am Rande (und auch nur in den späten Werken) die Rede. Und genau das machte die alten Filme ja so amüsant.

Nun soll also alles anders werden. Oder zumindest größtenteils. Godzilla – Final Wars ist zu einem durchgestylten, voller Effekte vollgestopften Zweistundenepos geworden, das in seiner Rasanz die Jüngeren sicher überfordert aber beeindruckt, alteingesessene Godzilla-Fans jedoch eher zum ein oder anderen enttäuschten Seufzen verleitet. Von Godzillas einstigem Charme ist tatsächlich wenig übriggeblieben, wie es zunächst aussieht.

Man schreibt die nahe Zukunft: Godzilla liegt nach einem verlorenen Kampf mit dem legendären fliegenden U-Boot U2000 (eine herrliche Hommage an Ishiro Hondas Science-Fiction-Streifen U2000 - Tauchfahrt des Grauens) am Südpol begraben. Eine genmanipulierte Gruppe junger Kämpfer (Earth Defence Force) ist außerdem für den Kampf gegen Monster ausgebildet. Als dann aber gleich mehrere Monster gleichzeitig auftreten, um diverse Weltmetropolen zu zerstören, ist auch diese Spezialeinheit machtlos. Das alles entpuppt sich—wohl als Hommage an Ishiro Hondas alte Science-Fiction-Streifen gedacht—als von außerirdischen Invasoren inszeniertes Spektakel, die die Monster unter ihre Gewalt gebracht haben, um die Menschheit unterwürfig zu machen. Für die Außerirdischen, die sich der Einfachheit halber (wie eh und je in diesen Filmen) als Menschen getarnt haben, sind die Erdenbewohner nämlich nichts weiter als Viehbestand. Als die Schlacht gegen die Außerirdischen fast schon verloren scheint, entsinnt man sich Godzillas Existenz und erweckt ihn wieder zum Leben. Zum Glück hat sich sein innerer Kampftrieb über die Jahre noch immer nicht abgenutzt und so macht sich die Riesenechse denn auf zum Gegenschlag und tritt seinen Monsterkollegen mächtig in den Arsch.

Und der Monster sind es viele. Da erwartet uns ein freudiges Wiedersehen mit Angilas, Gimantis, Mothra, Rodan, King Seesar, Gidorah, Manda und noch vielen mehr. Bis zum pompösen Monster-Wrestling heißt es jedoch noch eine Durststrecke zu überwinden. Denn nach dem Prolog, der vielversprechend (allerdings auch mit viel CGI-Effekten) mit Godzillas Verdammnis ins ewige Eis beginnt, einem Intro, das einen lässigen Zusammenschnitt von Godzillas letzten 50 Jahren präsentiert, und einer pulsierenden Zerstörungsorgie diverser Monster geschieht erst einmal eine lange Zeit überhaupt nichts. Oder jedenfalls ohne Monster. Die Hauptfiguren werden eingeführt, die in klischeehafter Lederoptik durch Zukunftsstädte und riesige Raumschiffe stapfen. So wirklich neu ist das alles nicht. Schamlos zusammengeklaut von Filmen wie Matrix oder Star Wars trifft es da wohl eher. In all der hyperaktiven Coolness lassen sich jedoch auch Mängel feststellen. Denn Godzilla – Final Wars ist weitaus weniger glatt als man sich vorstellt. Vor allem die durchsichtigen Schutzpanzer auf der Kleidung der Earth Defence Force sehen aus wie billigstes Plastik. Da kann auch die durchgestylte Optik (die mit ihren CGI-Effekten) jedoch nicht immer überzeugen kann, nicht viel retten. Godzilla – Final Wars ist Edeltrash und allein deshalb schon für den Fan unterhaltsam. Kitamuras hektische, laute Inszenierung verlangt dem Zuschauer so einiges ab, glücklicherweise jedoch keine Langeweile.

Auch der hypercoole Soundtrack haut ordentlich auf die Ohren, wenn es darum geht, Szenen rasanter zu gestalten. Allerdings büßt das eine Menge Charme ein, da man das klassische Godzilla-Thema gänzlich außen vor lässt und einen uninspirierten Matrix-mäßigen Industrial Rock-Score komponiert hat, der wohl vor allem die jüngere Zielgruppe ansprechen soll.

Richtig interessant wird es bei Godzilla – Final Wars jedoch erst, wenn Godzilla, reichlich spät im Film, wiederbelebt wird und stinkwütend (der Kompaktheit halber nicht immer nur in Zweikämpfen) auf seine Gegner trifft. Kitamura hat die Monster fürs neue Jahrtausend weiterentwickelt. Mit Hilfe von Computertricks werden sie zu äußerst agilen, flinken und weniger plump anmutenden Figuren als früher, doch besinnt sich Kitamura glücklicherweise auch auf alte Traditionen und lässt Menschen in Gummikostümen immer wieder einmal in altbewährten Miniaturstädten aufeinander einkloppen. In diesen Szenen endlich schillert der alte Charme dann endlich durch, um langjährige Fans für das moderne Hickhack zu vertrösten. Doch die ungewöhnliche Stilmischung kann nicht gänzlich schmecken.

Bei der Fülle an Monstern kann auch nicht jedes ausführlich abgehandelt werden, so dass einige Kämpfe teilweise schon nach wenigen Sekunden wieder vorbei sind, bevor man überhaupt richtig mitbekommen hat, mit wem Godzilla da überhaupt gekämpft hat. Vor allem zum Höhepunkt hin werden die Monsterkämpfe dann auch noch ständig von Szenen im Raumschiff unterbrochen, in denen sich die Guten und die Bösen einen Wolf kämpfen. Dabei interessiert den Zuschauer doch vielmehr, was Godzilla eigentlich gerade macht. Etwas weniger Gewicht auf der Rahmenhandlung hätte da also nichts geschadet.

Die sinnloseste Monsterwiederbelebung—die im krassen Gegensatz zum Rest des Filmes steht—ist zweifelsohne Godzillas Sohn Minya—ein menschengroßer Dinosaurier, der mit tellerrunden Augen dämlich in die Botanik glotzt, sich allen Übels im Wald mit einem namenlosen Mann-Kind-Gespann zusammentut und altklug gestikuliert, wenn es darum geht seiner menschlichen Begleitung etwas verständlich zu machen. Dies sind absolut lächerliche Szenen, die geradewegs aus einem billigen Kinderfilm zu stammen scheinen, wobei der Bogen auch noch überspannt wird, als Minya (angeschnallt!) in einem Auto mitfährt.

Mit Godzilla – Final Wars wird man durchaus gut unterhalten, allerdings nicht in guter alter Godzilla-Manier, was vielen Fans sicherlich sauer aufstoßen mag. Fakt ist, dass sich das hektische hippe Monsterspektakel vor allem an ein neues, jüngeres Publikum richtet, das sich noch nicht auf alte Godzilla-Traditionen festgefahren hat. Godzilla – Final Wars ist amüsanter Edeltrash voller Stilbrüche, der sich leider nur ansatzweise an alten Sitten orientiert. Trotzdem sollte man sich auch als Godzilla-Fan (nicht nur der Vollständigkeit halber) den (vorübergehenden?) Abschluss der Monster-Saga ansehen. Denn auch der eingefleischte Godzilla-Liebhaber kann hier durchaus auf seine Kosten kommen. Wenn auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

© Shaoshi, 14. September 2008

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Filme
U2000 – Tauchfahrt des Grauens
WEITERE INFORMATIONEN

TEILE
siehe Godzillas Filmographie
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